Notruffunktion

Mit jedem Handy kann die internationale Notrufnummer 112 angerufen werden. Hierfür ist Voraussetzung, dass eine SIM-Karte eingelegt ist, und dass Verbindung zum Funknetz besteht. Der Anruf der Notrufnummer 112 ist auch möglich, wenn auf der Handykarte kein Guthaben vorhanden ist.

Die meisten Seniorenhandys verfügen zusätzlich über eine Notruffunktion, die im Notfall private Kontakte, meist Angehörige oder professionelle Notrufdienste (z.B. Pflegedienste oder Betreiber von Hausnotrufsystemen) informiert. Diese Notruffunktion wird meist über eine separate Notruftaste ausgelöst. Durch das Betätigen dieser Taste wird in der Regel ein Alarmton wieder gegeben, dann eine SMS mit einem zuvor festgelegten Text an alle für den Notruf eingespeicherten Nummern geschickt und dann werden diese Kontakte direkt angerufen. Soweit ist die Notruf-Funktion bei fast allen Seniorenhandys identisch.

Erhebliche Unterschiede gibt es aber in den Details und der Sicherheit der Notruf-Funktion:

1. Bestätigter oder unbestätigter Notruf

Während des Notrufs wählt das Seniorenhandy nacheinander alle für den Notruf festgelegten Rufnummern an (in der Regel können 3 bis 5 Rufnummern in der Konfiguration festgelegt werden). Beim unbestätigten Notruf geht das Telefon davon aus, dass der Hilfesuchende Hilfe erhalten hat, wenn eine Sprachverbindung zustande gekommen ist, also ein Teilnehmer den Anruf angenommen hat. Danach werden keine weiteren Notrufnummern mehr angerufen. Der unbestätigte Notruf ist daher zu professionellen Notrufdiensten, die rund um die Uhr erreichbar sind, optimal geeignet.

Im privaten Einsatz z.B. mit Rufnummern von Kindern der Besitzer des Seniorentelefons ist der unbestätigte Notruf kritisch. Es könnte ja sein, dass im Notfall ein Anrufbeantworter abhebt (bei einigen Handybetreibern lässt sich z.B. die Mobilbox nicht abschalten). Es könnte auch ein kleines Kind abheben, welches keine Hilfestellung geben kann. Besonders kritisch ist aber die Tatsache, dass die Netzbetreiber dem Anrufer zunehmend automatische Sprachmitteilungen wiedergeben, wenn die Verbindung nicht zustande kommt (z.B. „Der Anrufer ist besetzt…“). In all diesen Fällen würde ein Seniorentelefon mit unbestätigtem Notruf davon ausgehen, dass dem Besitzer geholfen wurde und keine weiteren Notrufnummern mehr anwählen.

Beim bestätigten Notruf prüft das Seniorenhandy nach Zustandekommen der Telefonverbindung, ob ein Mensch abgehoben hat. Hierzu muss die erreichte helfende Person eine bestimmte Taste an seinem Telefon drücken (herstellerabhängig, bei Doro z.B. die Taste 0, bei Tiptel die Taste 5). Bei einigen Telefonen muss der Helfende wissen, dass es sich um einen Notruf handelt und welche Taste er drücken muss. Andere Geräte geben bis zum Drücken der korrekten Taste einen Hinweistext wieder, der über den Notruf informiert und die zu drückende Taste nennt.

2. Die Notruf-SMS

Die meisten Seniorenhandys senden vor dem Anwählen der Notrufnummern eine SMS mit einem festgelegten (in der Notrufkonfiguration des Seniorenhandys meist änderbaren Text) an alle eingetragenen Rufnummern. Auch wenn das Handy danach nacheinander die Notrufnummern anruft, sind so alle eingetragenen Personen über den Notfall informiert.

Das kann aber auch zu Problemen führen wenn das Endgerät an der eingetragenen Rufnummer nicht in der Lage ist, SMS zu empfangen. In dem Fall ruft in der Regel der Netzbetreiber die Rufnummere des SMS-Empfängers an und liest ihm per Sprachcomputer die SMS vor. Durch diesen Anruf ist die Leitung des Helfenden ausgerechnet in dem Moment besetzt, in dem das Seniorenhandy versucht, eine Verbindung zu dieser Rufnummer herzustellen.

Bei einigen Seniorenhandys ist es zur Vermeidung solcher Probleme möglich, den Versand der Notruf-SMS auszuschalten. Bei besseren Geräten kann je Rufnummer festgelegt werden, ob die Notruf-SMS gesendet werden soll oder nicht.

3. GPS-Lokalisierung

Einige Seniorentelefone unterstützten für die Notruffunktion GPS. In der Regel wird hier die Notruffunktion wie bei einem Seniorenhandy ohne GPS durchgeführt. Zusätzlich aktivieren Geräte mit GPS nach Auslösen der Notruffunktion das integrierte GPS-Modul und lokalisieren den Standort des Hilfesuchenden. War dieses erfolgreich, so sendet das Seniorentelefon an die eingetragenen Rufnummern eine weitere SMS, welche die Koordinaten des Standorts und einen Link auf Google Maps beinhaltet. Auf einem Smartphone kann die helfende Person so einfach auf den Link in der SMS anwählen und sich den Standort des Hilfesuchenden in Google Maps ansehen oder auch direkt eine installierte Navigations-App starten.

Bei den meisten Seniorentelefonen mit GPS ist auch eine Lokalisierung des Handy-Standortes ohne Notruffunktion möglich. Hierzu muss von einer der in der Notruffunktion eingetragenen Rufnummern eine SMS mit einem bestimmten Inhalt (oft dem Text „lbs“) an das Seniorentelefon gesendet werden. Dieses führt darauf eine Lokalisierung über GPS durch und sendet an den Absender der SMS die Koordinaten mit Google Maps Link.

4. Alarmton

Die meisten Seniorentelefone geben nach Auslösen der Notruffunktion einen Alarmton von sich, der teilweise festgelegt ist, teilweise aber auch in Melodie und Lautstärke eingestellt werden kann.

Dieses dient dazu, Personen in der Umgebung des Hilfesuchenden auf den Notfall aufmerksam zu machen.

Damit Sie schnell einen Überblick über die Modelle mit Notruffunktion bekommen, haben wir für Sie eine Liste mit aktuellen Seniorenhandys mit Notruftaste zusammengestellt. Sehr häufig finden Sie in den Produktbeschreibungen der Hersteller aber nur generelle Angaben zum Notruf ohne Details zu den hier genannten wichtigen Unterscheidungsmerkmalen. Wenn die Notruffunktion für Sie wichtig ist, sollten Sie den Hersteller oder Vertreiber nach den hier genannten Details fragen oder sich von den Webseiten der Hersteller das Handbuch des in Frage kommenden Gerätes laden und im Kapitel zum Notruf die genaue Funktionsweise prüfen.